Von der Fotographie zur modernen Malerei: Ein Spiegelbild für Innovation

Ich verknüpfte einen Besuch eines Kunstmuseums mit einem Artikel über „das Neue in der Welt“ zur Metapher der modernen Malerei als Spiegelbild für Innovation. Ein wichtiger Zweck der Malerei war traditionell das Festhalten der Welt, im Sinne des Festhalten der Wirklichkeit. Mit dem Aufkommen der Fotographie im Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde dieser Aspekt der Malerei – funktional gedacht – jedoch obsolet.

Was ist nun passiert? Immer mehr KünstlerInnen sahen Möglichkeiten zur Neuerfindung der Malkunst. Wahrscheinlich ist das mit der Notwendigkeit, ausgelöst durch die fotographische Konkurrenz, verbunden. Aber immerhin bietet die Malerei deutlich mehr Möglichkeiten zur Kreativität und somit einen größeren Spielraum für Innovation. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn ein Gemälde wird, im Gegensatz zu einem Foto, vom ersten Strich bis zur Vollendung kreiert. Die Freiheitsgrade des Künstlers, die Anknüpfungspunkte für Änderungen im Malprozess sind somit – im Vergleich der Fotographie – quasi unendlich.

In diesem Sinn spiegelt das Verhältnis von Fotographie und Malkunst einen typischen Innovationsprozess wider, auch hinsichtlich des Verhältnis von Alt und Neu. Denn das Neue kommt nicht jungfräulich in die Welt. Es braucht eine Basis. Im Falle der Malerei ist diese Basis im Grunde durch die physikalische Grenzen der Malerei gegeben, zB. durch Schatten und Licht. Aber natürlich dient trotzdem oft ein Abbild der Wirklichkeit als Ausgangspunkt, oder zumindest als Anknüpfungspunkt. Nun können diese Basisentitäten jedoch neu in Bezug gesetzt werden, zB. die Objekte in einem Gemälde. Und irgendwann muss auch diese Neukombination von Alten nicht einmal mehr den physikalischen Gesetzen der physikalischen Realität folgen, sobald eine neu Repräsentationsebene erreicht wurde, ja sobald eine neue Welt mit ihren eigenen, oft impliziten Regeln, kreiert wurde. Auf Anhieb fällt mir als Beispiel dafür der Kubismus ein bzw. generell abstrakte Kunst.

So wird der schrittweise Prozess vom Realismus (dem Alten) zur Phantasie (dem Neuen), durch die Phasen der modernen Kunst im zwanzigsten Jahrhundert deutlich. Dass diese Entwicklung als Paradebeispiel von Innovation selbst ein Nebeneffekt einer innovativen Entwicklung in der Technik (der Fotographie) war, liegt wohl im Kern der Sache.

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