Presshaus-Doktor

Presshäuser sind also lebende Objekte (was nur scheinbar ein Widerspruch ist) und werden durch ihren Erhalt – sowohl durch den natürlichen Stoffwechsel von Luft, Wasser, Erde als auch durch den kulturellen Stoff-Wechsel von Lehm, Kalk, Ton, Holz – und durch ihre Nutzung lebendig gehalten. Das lese ich in meinem letzten Blogbeitrag, in dem ich nüchtern zugebe, Presshäuser ein wenig zu romantisieren. Es gibt schlimmeres und die tatsächliche Knochenarbeit an den Gemäuern erinnert mich an die harten Aspekte. Ich mache es aber gerne und die Romantisierung und Leidenschaft treiben mich an, über eine Selbständigkeit im Kellergassen-Mikrokosmos nachzudenken. Weitere Gedanken dazu demnächst im Blog…

Wenn ich die Metapher von lebenden Objekten weitermale, kommt schnell der Gedanke, dass es oft schlecht um die Gesundheit unserer Presshäuser steht. Mit einem Schmunzeln frage ich mich ab und zu, ob der Patient noch zu retten ist, aber ein guter Arzt würde seine Patienten nie aufgeben. Presshaus-Doktor, ich hadere noch mit der Bezeichnung meines Vorhabens. Aber wieder mit einem Schmunzeln denke ich: Irgendwie passt es ja, da ich mich formell sogar Dr. nennen darf, auch wenn ich es selten tue. Ende des letzten Jahrhunderts habe ich an der Uni Wien Medizin studiert, aber nicht abgeschlossen, da ich mir nicht vorstellen konnte in einem Krankenhaus zu arbeiten. Deswegen habe ich an die TU Wien gewechselt und dort Medizinische Informatik studiert und dann auch an der Elektrotechnischen Fakultät promoviert – mir blieb nichts anderes über, um weiterzuforschen. Nach einigen Jahren in der Wissenschaft und im deutschen Gesundheitssystem soll es bald zurück nach Österreich gehen, und eine praktische Tätigkeit außerhalb von Büros soll es werden. Die Leidenschaft für Presshäuser passt da sehr gut, und verdeckt ein wenig das finanzielle Risiko dieser Lebensentscheidung.

Presshaus-Doktor also, könnte ein Firmenname werden. Mal schaun. Wahrscheinlich wird es mir mit einem Schmunzeln gelingen die ein wenig hochtrabende Bezeichnung zu verwenden. Und schmunzelnd zu arbeiten ist an sich ja nicht schlecht…

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