Presshaus-Dächer

Die Patina der Dachziegel. Sie runden das verwunschene Erscheinungsbild eines Presshauses ab. Unter den Dachziegeln befindet sich nicht überraschend der Dachstuhl, der eigentlich nicht mehr machen muss als diese Dachziegel zu tragen und halten. Luft- und wasserdicht ist hier wie üblich nichts. Das ist bekanntlich ein Grundsatz von Presshäusern. Wenn der Dachstuhl jedoch feucht wird, hat man schon verloren. Denn so einfach lassen sich einzelne Balken nicht austauschen.

Es ist faszinierend zu sehen, dass die alten Dachstühle so lange halten. Das ist zwar oft ein Irrtum, da sie in den letzten Jahrzehnten häufig mit wiederverwendbarem alten Holz und Dachziegel erneuert wurden. (Es bleibt fraglich, ob das so bleibt.) Aber in der Regel ist es schon so. Der Kreislaufgedanke und die Offenheit der Häuser – Hauptsache gelüftet und Feuchtes kann trocken – mag ein Grund für die Langlebigkeit sein.

Es kann aber auch anders kommen. Denn die Einbettung der Presshäuser in ihrer Landschaft heisst nicht, dass sie der „wilden“ Natur überlassen werden können. Das musste ich schmerzhaft bei einem kürzlich gekauften Presshaus lernen. Wie sooft ist das Presshaus im Hohlweg weitgehend an der Erde angeschmiegt und hat keine Regenrinne. Im besten Fall ist diese auch nicht unbedingt nötig, da eine Betonrinne im Boden das Wasser ableitet. Bei diesem Presshaus ist es aufgrund der Begebenheiten des natürlichen Hohlwegs nicht so. Als ich den Dachstuhl dann von den Dämmversuchen des Vorbesitzers befreite, wurden die Auswirkungen der Verletzung des Grundprinzips deutlich: Das immer wieder feucht werdende Holz konnte nicht trocknen und wurde teilweise morsch. Zum Glück lässt sich das Problem gut lokalisieren, aber wie gesagt lässt sich ein einzelner Balken schwer austauschen. Einen komplett neue Dachstuhl kann ich mir nicht leisten, also muss wohl herumgedoktert werden. Nach dieser Erfahrung bin ich umso erstaunter, dass die meisten Presshäuser trotz Vernachlässigung intakte Dachstühle haben. Denn eigentlich brauchts wenig, um das Grundprinzip zu gewährleisten: was feucht wird, muss auch trocknen können.

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