Kein (typisches) Wochenend-Haus!?

Es muss vor ca. 15 Jahren gewesen sein, als ich mich um ein Wochenendhäuschen umsah. Ich lebte in Wien brauchte einen Ausgleich von der Stadt. Wir sahen uns einige Häuser im Weinviertel an, aber meine damalige Partnerin bremste mich. Zum Glück. Sich neben der Wohnung auch noch gemeinsam um ein Haus zu kümmern, das man nicht regelmäßig bewohnt, konnte sie sich nicht vorstellen. Aber mir ging es nicht ums Haus, mir ging es darum, sporadisch ein paar Tage auszuschalten, wenn ich es brauchte (nicht regelmäßig am Wochenende), mir ging es darum einen Rückzugsort in einer angenehmen Umgebung zu haben. Aber sie hatte Recht.

Damals sahen wir uns sogar ein Presshaus an, dass – ein wenig problematisch – zu einem typischen Wochenendhaus umgebaut wurde. Vielleicht hatte ich deswegen nicht das eigentliche Potential von Presshäusern gesehen: Ihre Unkompliziertheit. Gerade ihr Einfachheit macht ihren Charme für eine Freizeitnutzung aus. Klein und minimalistisch. Klar, im Winter kann man sie nur eingeschränkt verwenden, aber das ist kein großes Manko. Dass sie nicht beheizt werden gehört zum Konzept. Genauso wie die konstante Belüftung und einfache Innenausstattung. Und jene Presshäuser ohne Strom und Wasser bilden die Krönung des Minimalismus.

Man muss halt schon wissen, was man von einem Presshaus will. Wenn es darum geht, sich hauptsächlich drinnen aufzuhalten, dabei die wohnliche Bequemlichkeit beansprucht und sogar länger dort übernachten möchte, passt das klassische Presshaus nicht und es wird letztlich seiner Seele geraubt. Wenn man vom Ensemble der Kellergassen und seiner Umgebung fasziniert ist, sich gerne in der Landschaft aufhält – ob wandernd oder radfahrend, und vielleicht abends vor oder hinterm Presshaus den Abend mit schönem Ausblick ausklingen lassen möchte, könnte man ein Presshaus als Ausgangspunkt für unregelmäßige kurze Auszeiten nutzen, auch wenn regelmäßige Übernachtungen in der Regel nicht möglich sind.

Seitdem ich ein Wohnwagen in einem Obstgarten habe, kann ich mir das Prinzip besser vorstellen. Ich nutze ihn nur, um meine Sachen, die ich im Garten brauche zu verstauen und einen Schutzraum zu haben, gerade wenn es regnet oder ich essen möchte. Ab und zu übernachte ich dort, aber nur kurz, da ich nur rudimentär eingerichtet bin und keine Duschmöglichkeit (außer einer Katzenwäsche) habe. Und wenn ich ein paar Wochen nicht dort bin, ist es auch nicht schlimm. Das Presshaus bei Pulkau, das ich derzeit saniere, erinnert mich ein wenig daran, da es kein Wasser und Strom gibt. Eine kleine PV-Anlage und Wasserkanister reichen aus. Klar, das Presshaus ist größer und angenehmer, gerade bei heißen Wetter. Für mich bietet es letztlich viele Vorteile eines unkomplizierten Campings und stabilen Freiraums für meine Hobbies.

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