Es klingt natürlich vermenschlichend von „lebenden“ Gebäuden zu sprechen. Aber wenn es bei Häusern gilt, dann erst reicht bei Presshäusern. Immerhin ist es nicht unüblich von atmenden Mauern zu sprechen. Wo, wenn nicht bei Presshäusern ist das der Fall? Leben auf unserer Erde begann bekanntlich mit einem Stoffwechsel. Irgendwie passt das auch zu Presshäusern: Luft und Wasser aufnehmend und abgebend, sehr nah am Erdboden und seinen Kreislauf gebaut. Nicht von seiner Umgebung abgeschirmt, sondern an ihr angeschmiegt. Nur die Selbständigkeit, die fehlt. Denn ein Presshaus hängt an der Nabelschnur seiner Besitzer. Hier muss nichts beschönigt werden: Presshäuser wurden als landwirtschaftliche Nutzobjekte errichtet und auch heute sollen sie einem Zweck dienen. Denn erst durch die Nutzung wird ihnen Leben eingehaucht. Aus dem Lehm, Kalk und Holz der Umgebung gebaut, die Ernte der Umgebung verdauend, instand gehalten durch die Aufnahme seiner Umgebung. Ja sogar die temperaturerhaltende Eigenschaften durch seine Kellerröhren zeigen Parallelen zu Lebewesen.
Das unterscheidet ein Presshaus von einem modernen Wohnhaus: Es wird ständig an und mit ihm gearbeitet – es lebt. Einmal bauen oder renovieren und Jahrzehnte Ruhe haben ist nicht! Zubetonieren und vor Witterung schützen klappt nicht. Langsamer Verfall ist natürlich – und wie wunderbar ist es, kleine Wunden schnell heilen zu können anstatt dass sich erst schwere Krankheiten zeigen müssen. So viel zur Vermenschlichung. Also wieder nüchtern: Presshäuser sind besonders reparaturfähig, wenn sie nicht vollständig versiegelt werden, ja wenn sie mit einem kontinuierlichen Stoffwechsel am Leben gehalten werden, im wahrsten Sinn des Wortes. Lehm, Kalk, Holz, auch Ziegelsteine – diese Stoffe können punktuell gewechselt werden. Presshäuser führen ein einfaches, ehrliches Leben. Vielleicht kann man in und um sie deswegen so gut runter kommen und sich aufs Wesentliche besinnen.