Mythologie und Wissenschaft

Schon seit den Zeiten der antiken Hochkulturen haben Menschen bei Phänomenen, insbesondere bei dramatischen Ereignissen, zwei scheinbar gegensätzliche Ansätze verfolgt sich Klärung  zu verschaffen um Handlungsschemen für die  Wirklichkeit konstruieren zu können: Mythos und Logik, dargestellt in mythologischen bzw. philosophischen Betrachtungen der Welt. Beide Ansätze arbeiten mittels Kategorisierung, wobei der entscheidende Unterschied die verwendeten Kategorien sind. Aus dem zweiten Ansatz hat sich die wissenschaftliche Methodik entwickelt, die es uns ermöglicht Fragestellungen unter Verwendung mehr oder weniger messbarer Kriterien zu diskutieren und mögliche Antworten dieser Fragen zu testen. Dies ermöglicht die Entwicklung von in sich schlüssigen und widerspruchsfreien Erklärungssystemen, die durch Aufzeigen einer Kausalkette nachvollziehbar die Determinanten eines Phänomens bzw. die Ursachen und ihre Auswirkung aufzeigen. Dadurch wird versucht die Erkenntnis-Wüste vom Kantschen „Ding an Sich“ zum Phänomen geschlossen. Realistischer Weise ist dieses theoretische Vorgehen sich Klärung zu schaffen in der Praxis selten eindeutig, und wirft – auch wenn sie in der Lage ist die ursprüngliche Frage zufriedenstellend klären zu können – in der Regel weitere Fragen auf. Das ist das Wesen der Wissenschaft. Trotzdem hat sich der wissenschaftliche Erklärungsansatz dort durchgesetzt, wo er in der Lage war, überzeugende Antworten zu bieten.  Gesellschaftliche Akzeptanz kam somit wohl mit dem Erkennen des Nutzens von Wissenschaft und deren Nachvollziehbarkeit. Aber die Basis von Wissenschaft besteht trotzdem noch aus Glauben (zB. an ein Paradigma), also ein nicht-wissenschaftliches Konzept aus der Welt des Mythos. Was scheinbar als Gegensatzpaar gilt – Glauben und Wissen – ist tatsächlich ein Abhängigkeitsverhältnis. So wie das bei den anderen eingangs erwähnten Dualismen der Fall ist.

Dort wo Wissenschaft (noch) keine wegweisende Sicherheit bieten kann, sind weiterhin Mythen vorherrschend (allen voran die Religion). Besonders bei subjektiven Fragen und bei Fragen, die mit der wissenschaftlichen Herangehensweise gar nicht beantwortet werden können, wie zB. die Frage nach dem Sinn des Lebens oder nach dem qualitativem (sinnlichen) Erleben der Welt, werden oft bevorzugter Weise Mythologien herangezogen. Nur dort wo die Gesellschaft der Wissenschaft glaubt, zB. durch Erkennen der Auswirkungen ihrer Antworten, wird sie akzeptiert. Sonst werden eher die Antworten Mythos-basierter Erklärungsmuster akzeptiert, beispielsweise bei Fragen nach dem Sinn des Lebens oder der Liebe. Aber auch dort wo die Wissenschaft Erklärungslücken schließen kann, ist deren universelle Anwendung im Alltag praktisch nicht möglich – es liegt eben in der Struktur unserer Denkweise und unserer physikalischen Welt. Denn die wissenschaftliche Erklärungsmethode ist nur begrenzt anwendbar, da das dafür benötigte aufwendige bewusste Nachdenken in der Realität eingeschränkt wird. Wir brauchen Glauben und Mythos also nicht nur als Grundlage des Wissens (s.o.), sondern auch aufgrund der Einschränkungen unseres Lebens in der Welt. Das entspringt also letztendlich der eingeschränkten Notwendigkeit und Möglichkeit bewusst-begabten Denkens.

im Sommer 2017 geschrieben

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